Equipment und die DIR-Philosophie

May 16, 2019

 

Die Meinungen über Equipment und dessen Konfiguration sind genauso vielfältig wie mögliche Zahlenkombinationen beim Lotto. Jeder hat seine eigene. So auch ich. 

In den letzten Jahren hab ich von den verschiedensten Instruktoren gelernt und mit vielen Leuten über das Thema philosophiert. 

Während die einen die Meinung vertreten, daß es egal ist was man wie und wo hat, akzeptieren andere nur ein striktes Lehrbuchdogma und jede noch so geringe Abweichung hat ihrer Meinung nach den Tod zur Folge. 

Das sind natürlich die beiden Extreme und wie so oft im Leben liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Dennoch würde ich hier gerne auf diese beiden Seiten eingehen und euch meinen Standpunkt näher bringen. 

 

Der Egalist

Eines schönen Tages kam ich mit einem Instruktor ins Gespräch. Er ist auch Shopbesitzer und passionierter Tectaucher. Für ihn bedeutet DIR "es muss funktionieren". Dementsprechend stellt er seine Ausrüstung sehr individuell zusammen und ist auch sehr kreativ bei der Optimierung dieser. Auch wenn er nicht zur Kategorie der Christbaumtaucher gehört, ist seine Konfiguration doch sehr eigen und auf ihn zugeschnitten. 

Hier mag der Ein oder Andere sagen: "Ist doch gut so. Er muss mit seiner Ausrüstung zurecht kommen."

Hier stimme ich nicht ganz zu. Standardisierung hat durchaus seinen Sinn.

- es erleichtert die Abstimmung zwischen den Tauchpartnern

- in Notfällen ist es leichter mit einer bekannten Ausrüstung zu hantieren als mit einer "einzigartigen"

- Probleme werden schneller gelöst je weniger Möglichkeiten es für die Lösung gibt

Um nur ein paar Punkte zu nennen.

 

Der Dogmenverfechter

Bei einem Gespräch mit einem frischgebackenen Fundiabsolvent musste ich mir sagen lassen, daß eine Argonflasche auf der Backplate unnötig sei wenn ich nicht mit Helium tauche und der Luftverbrauch dadurch sehr viel höher sein wird. Ich soll nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich bei einem Tauchgang mitnehmen. So wie ich die Ausrüstung zusammenstelle wäre es nicht DIR-konform.

Oder bei einem meiner Kurse wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß eine Backup-Lampe nur am Kopf im Uhrzeigersinn einzuschalten ist. Sonst kennt sich der Buddy nicht aus wenn man ihm im Notfall die Lampe gibt. Andere Mechanismen wären nicht DIR.

Auch hierzu hab ich meine Meinung: 

- Eine Argonflasche bietet bei passender Wasserlage genausoviel Wasserwiderstand wie ein Inflatorschlauch. (der übrigens bei dem Kritiker aus Bequemlichkeit lose herumhängt wenn er mal mit Argonflasche taucht!!)

- Lampen werden prinzipiell im aufgedrehten Zustand vom Harnes geklippt und übergeben. Und wenn meine Lampe mit einem Fingerabdruck einzuschalten wäre, wäre es egal. Der Buddy bekommt eine aufgedrehte Lampe. 

 

Wie oben beschrieben, macht es durchaus Sinn, die Ausrüstungskonfiguration zu standardisieren. Da wo es wichtig ist!

Ob ich meine Lampe links oder rechts, hinten oder vorne aufdrehe ist irrelevant. Sie sollte keine Steuerelektronik haben um Fehlerquellen zu minimieren. Da es sich ja sowieso schon um einen "Ausnahmezustand" handelt wenn ich auf die Backuplampe zurückgreifen muss. 

Ob ich nun eine Argonflasche am See mit mir rumtrage oder nicht soll doch auch meine Sache sein. Hier geht es darum, daß ich am See trainiere. Und da wäre es sinnlos die Ausrüstung anders zu konfigurieren als im "Ernstfall". 

Ob ich meine Ersatzmaske links oder rechts trage sollte ebenfalls egal sein. Sie ist ein Komfortartikel den ich nicht zum Überleben brauche. 

Bei der Longhoseführung hingegen gibt es keine sinnvoll begründbare Alternative. Ich habe bei manchen Steinzeittecis(und das mein ich liebevoll) gesehen, daß der Longhose mit Gummis am Rückengerät verstaut wird. Das ist im Notfall eher unvorteilhaft. Die Gründe liegen auf der Hand.

Ob meine Instrumente mit Bungies oder mit klassischen Armbändern am Arm befestigt werden ist ebenfalls eine Frage der Vorliebe. Während mit 2 gekreuzten Bungies das an- und abnehmen erleichtert wird und eine Redundanz herrscht falls eines reißt, hat das klassische Armband den Vorteil, daß man es zum "Abbinden" des Trockis enger ziehen kann falls die Manschetten undicht werden.

 

Natürlich könnte man jetzt jedes einzelne Ausrüstungsstück besprechen, aber lange Rede kurzer Sinn:
Standard ist gut, Dogma ist schlecht. Der denkende Taucher ist immer noch das Maß aller Dinge.

 

Ich persönlich höre mir immer gern verschiedene Argumente und Meinungen an und bilde mir mit den neu gewonnenen Erkenntnissen meine eigene Meinung(oder bleib bei meiner alten). Natürlich lässt sich jede Meinung mit guten Argumenten ändern. Und diese Freiheit sollte sich auch jeder nehmen. Habt eine Meinung, steht dazu, aber habt auch den Mut diese zu ändern. Ohne Veränderung wären wir immer noch in der Steinzeit ;)

 

Gut Luft,

Alex

 

 

 

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